Wie viel DDR steckte im Kindergarten?

Beitragsbild für Podcast-Episode zum Kindergarten

Große Messer auf Beulen drücken, viel zu süßen Hagebuttentee aus Plastikbechern trinken und auf ausgemusterten Traktorreifen herumturnen. Mit dem Journalisten Martin Dietrich spreche ich über unsere Zeit im Ost-Kindergarten wenige Jahre nach der Wiedervereinigung. Zwischen Brandenburg und Thüringen gab es einige Gemeinsamkeiten.

Die Schlafwache geht los!

Also lieber schnell die Augen zu machen und ruhig auf dem Bett liegen bleiben – dabei Podcast-hören nicht vergessen. Wir fangen ganz am Anfang an, dort wo man die ersten eigenen Erinnerungen findet: Im Kindergarten. In der ersten Episode vom Podcast Keine Jungpioniere geht es um die Kindergärten unmittelbar nach der Wiedervereinigung – oft mit denselben Erzieher*innen, die schon viele Jahrgänge von Kindern großzogen, als es die DDR noch gab.

Einige der Erziehungsmethoden und -ansätze haben das Jahr 1990 überdauert. Das war nicht immer schlecht – zumal es die ideologische Komponente (die Partei hat immer Recht und der Westen ist schlecht) zumindest in meinem Kindergarten nicht gab. Bei uns blieb vor allem der Gemeinschaftsinn und das Credo, sich gegenseitig zu helfen. Doch eine andere Seite gab es auch. Da habe ich in meinem Thüringer Kindergarten ähnliche Erfahrungen gemacht, wie mein Gast Martin, der seine Vorschulzeit in Brandenburg verbracht hat.

Mit Martin Dietrich über den Kindergarten

Martin ist freier Journalist und beschäftigt sich vor allem mit Themen rund um Videospiele und Filme. Geboren wurde er 5 Jahre nach der Wende. Wir kennen uns jetzt seit 6 Jahren und gestalten gemeinsam den Podcast Das Filmmagazin. Bei Keine Jungpioniere sprechen wir über ähnliche Erfahrungen, die wir unabhängig voneinander gemacht haben. Da wäre zum Beispiel die fast schon militärische Ordnung, die im Kindergarten manchmal herrschen sollte.

Wie habt Ihr eure Kindergartenzeit erlebt? Decken sich Eure Erfahrungen mit unseren oder gab es bei Euch keine DDR-Traditionen im Kindergarten? Seid ihr vielleicht in den alten Bundesländern groß geworden und habt dort Ähnliches erlebt?

Shownotes

DIE ZEIT: Wenn Mutti früh zur Arbeit geht

MDR Zeitreise: DDR-Erziehung: Im Sinne der Ideologie

BPB: Kitas und Kindererziehung in Ost und West

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Kindergärten

Sächsische Zeitung: „In der DDR waren Kinder eher trocken“ (€)

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: FLURFUNK-Podcast 37: Wir fordern 1 Million pro Lokal-TV! Bauer kauft Mitteldeutsche Zeitung, Keine Jungpioniere

  2. Hallo.
    Viele eurer angesprochenen Dinge haben meiner Meinung nach wenig mit DDR oder nicht DDR zu tun sondern mit Kindererziehung die im Kindergarten dazu noch in einer großen Gruppe stattfindet. Da braucht es Regeln, auch beim Spazierengehen oder im Umgang mit dem Spielzeug. Lasst mich raten… Ihr habt keine Kinder oder?

    • Hi Tobias,
      sicher hast Du Recht damit, dass Einiges auf Kindererziehung im Allgemeinen zurückzuführen ist (Du liegst auch richtig mit der Vermutung, dass keiner von uns Kinder hat). Alles andere als leicht haben es natürlich Erzieher*innen mit einem Betreuungsschlüssel von 1:20+. Dennoch gibt es einige Verhaltensweisen/Traditionen, die meiner Meinung nach schon mit der DDR-Prägung und der zeitlichen Nähe zur DDR in Verbindung gebracht werden können – z.B. Messer auf Beulen oder allein die ganze Ausstattung der Kindergärten. Das alles wird durch den Stress mit vielen Kindern und wenig Personal sicher noch verstärkt.
      Beides vermischt sich in der Erinnerung an eine so frühe Kindheit natürlich miteinander. Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
      Liebe Grüße
      Lucas

  3. Pingback: Wie haben uns DDR-Filme geprägt? | Keine Jungpioniere

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